Rezensionen zu Nicht zu ZweitHajo Steinert in der Welt:
"Alles Grobe ist ihm zuwider. Alles Laute ein Graus. Mitläufertum ein Ekel. Gute Voraussetzungen also für einen Autor, auf dem Dichterolymp aufgenommen zu werden, begrüßt von einem Peter Handke und
Botho Strauß. Nein, nein, noch hat er sein Plätzchen nicht da ganz oben, aber auf dem Weg dahin ist er."
Bernd Heimberger in Ixlibris:
"Helfers Prosa ist, im besten Sinne, anspruchsvoll. In ihrem
Anspruch ist sie anmaßend. Das wiederum bedeutet, Helfer will nicht die beliebigen Leser. Er will die bedacht
Lesenden. Und das hat nichts mit Dünkel zu tun. Es hat mit dem Willen des Schriftstellers zu tun, den Wohllaut
der Worte in rhythmischen Sätzen zum Klingen zu bringen: Lesenden zum Wohlgefallen. Joachim Helfers Novellenband
"Nicht zu zweit" hat die Seiten, die lebhaft werden durch den Rhythmus der Sprache. Knapp ein Jahrzehnt nach dem
Tode von Thomas Mann geboren, ist Helfer, wie der Altvordere, ein Rhythmiker der epischen Sprache."
Der Spiegel 20.7.05: "An den Pas de deux sind die Hebungen das Schwerste. Sie auszuführen verlangt von den Tänzern Klarheit, Koordination und den Mut des Augenblicks. Den Figuren in Joachim Helfers neuen Novellen gelingen sie nicht. Da ist der nicht mehr ganz junge Choreograf, der sich das Verlangen nach seinem Schüler nicht eingestehen will; der alternde Kunsthändler, der hofft, seinen Tadzio an der Côte d'Azur zu finden; der Junge, der umzingelt von familiärer Liebe und Erwartung den Mann in sich sucht. Alle drei würden den Sprung gern wagen, doch stattdessen laufen sie in die Leere. Den Schmerz über dieses Scheitern sieht man ihnen an - bis sie plötzlich begreifen, dass ihre eigentliche Form das Solo ist. Helfer erzählt von den Wendepunkten des Lebens mit jener selten gewordenen Präzision, die das intellektuelle Spiel mit der Sprache liebt und kein einziges Wort dem Zufall überlässt. Dass er dabei die Leichtigkeit nicht verliert, macht die Qualität seines Schreibens aus." Carsten Hueck im Deutschlandradio:
"Joachim Helfer zeigt die Welt als Vorstellung
und Modell, sicherlich elitär in Anspruch und Form. Lange Satzperioden zeichnen sein Schreiben aus, präzise
Verschachtelungen, eine auf den ersten Blick irritierende Montage. Zeiten und Orte schiebt der Autor ineinander,
Vergangenheit der Figuren und Gegenwartserlebnis sind miteinander verschlungen. Das reicht von Erinnerungen eines
emigrierten jüdischen Kunsthändlers an der Cote d'Azur bis zu denen einer Mutter in Kaiserslautern an
die Flucht vor den Russen 1945. Helfer bietet dem Leser ein Panorama an. Man muss sich vergewissern, immer wieder
neu orientieren. Das mag auf den ersten Eindruck mühsam klingen, ist es sicherlich auch, enthebt aber Text
und Leseerlebnis von allseits gewohnter Banalität."
Manuel Karasek in der Netzeitung:
Einerseits ist Joachim Helfer also ein durchaus traditionsbewusster deutscher Schriftsteller, anderseits
verfügen seine Beschreibungen und Sprachgesten über einen mediterranen Funken, einen wunderbar, sich aus
Beobachtungen speisenden Witz: "Die Leute lieben hier ihre Regeln", heißt es beispielsweise in der ersten
Novelle "Ein Tanz" über den Blick des Protagonisten auf die Einheimischen, sie "halten gerne minutenlang vor
der Ampel an einer weithin unbefahrenen Kreuzung in einem Ernst, der vielleicht religiös ist, er versteht
davon nichts."
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